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 Der Berg ruft

BMW 700 Sport Coupé zum Bergrenner umgerüstet

Bei der Techno Classica vor einigen Jahren entdeckte Florian Engel einen perfekt restaurierten BMW 700. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, bekennt er. Dieses Exponat übertraf jedoch seine finanziellen Möglichkeiten. Nach tief greifender Suche im Internet fand er ein ehemaliges Rundstreckenfahrzeug.

Der BMW 700 zählt zu den Meilensteinen in der Historie des bayerischen Automobilherstellers. Der von Michelotti entworfene Kleinwagen brachte den Durchbruch zur lohnenden Großserienproduktion, die weder mit den Luxusfahrzeugen 501/502, den sportlichen 503/507 oder gar dem „Lizenzbau“ Isetta zu bewältigen war. BMW produzierte den 700er zwischen 1959 und 1965 in 188121 Einheiten inklusive der Modellpflege LS (Quelle Oswald). Das BMW 700 Coupé wurde von Anfang an im Motorsport eingesetzt, vor allem bei Rallyes, Berg- und Rundstreckenrennen. Der 60-jährige Hans Stuck senior gewinnt 1960 die Bergmeisterschaft in seinem BMW 700.

Florians Neuerwerb diente seinem Vorbesitzer auf der Rundstrecke, unter anderem im Shell-Pokal. „Ich habe den BMW weder vorher gesehen, geschweige denn Probe gefahren“, erklärt der  Personalreferent, der dem 700er im Internet aufstöberte. Allein die Bilder überzeugten. Ein Spediteur transportierte daraufhin den Rundstreckler ins heimische Wunsiedel, wo er auf der Stelle von ihm und seinem Vater Ralf inspiziert wurde. Wahnsinn! Florian hatte einen echten Glückstreffer an Land gezogen.

Obwohl er mit Motorsport bisher nichts am Hut hatte, lockte die sportliche Performance des kleinen BMW ihn zu seinem ersten Bergrennen. Lediglich mit einem kurzen Getriebe und anfangs nur mit Straßenreifen bewaffnet, peitschte er den 700er durch die Serpentinen einer regionalen Bergprüfung im Frankenwald.

 Einmal Blut geleckt, rüstete er endgültig den Rundstreckler zum Bergrenner um. Bei vielen Teilen war die Homologation bereits abgelaufen. Für den frischen Wagenpass wurden extra schmale Sitze mit Sechspunkt-Gurten beschafft und auch das Cockpit neu bestückt. Der originale Drehzahlmesser ist so gut wie Gold wert, da er auf dem Teilemarkt kaum mehr erhältlich ist. Auch die Zusatzinstrumente fanden den Weg in die Mitte des Cockpits.

Für Rennen werden auf 6x13 Zoll BBS Räder SemiSlicks aufgezogen, die dem Fahrzeug in Verbindung mit dem Koni-Fahrwerk hervorragende Stabilität verleihen. Den Vergleich zu seinem Fiat 1000 TC Abarth beschreibt Florian folgendermaßen: „Der BMW macht genau dass, was ich will. Der Fiat dreht sein eigenes Ding und versucht ständig, seinen Piloten auszutricksen“.

Das dezent modifizierte Triebwerk leistet aus heutiger Sicht „nur“ 60 PS, doch angesichts des Leichtgewichts von knapp 600 Kg hat der Zweizylinder Boxer leichtes Spiel.

  Dabei trompetet er so herzhaft durch die Auspuffanlage von Engel Classic, dass selbst von Krawall verwöhnte NSU-Piloten ein zustimmendes Kopfnicken beipflichten. Und die Bremsen? Dem Leichtgewicht genügen die vier serienmäßigen Trommelbremsen, die selbstverständlich gut gewartet werden. Zu Rennen geht´s natürlich im Huckepack. Unter anderem mit einem 200 PS starken 2002 Touring als Zugfahrzeug.

Florians Teilelager wächst ständig, weil er auf Oldtimer-Märkten oder im Internet angebotenen Teile gnadenlos aufgekauft. Neben einem bereits restaurierten 700 für die Straße steht eine lackierte Rohkarosse in seiner Halle. Aus dem Rohdiamanten soll irgendwann eine Stuck-Peplika entstehen, sowie es die Ersatzteileversorgung zulässt. Das Prunkstück in der Sammlung an Bastler-Raritäten ist der an der Decke hängende LS.Die Modellpflege des 700 mit um 32 cm verlängertem Heck wurde nach zwei Jahren Produktionszeit eingestellt. Allerdings gehen viele LS-Teile nicht mit dem 700er konform. Die Frontscheiben beispielsweise, erklärt Florian, können nicht getauscht werden, weil auch der Vorderbau des LS umkonstruiert wurde. Die Produktion der 700/LS Serien endete im September 1965. Man munkelt, dass im Langheck Versuche mit dem 1573 ccm Vierzylinder des späteren 1600-2 stattgefunden haben. Letztendlich gilt die 02er Serie als designierter Nachfolger des BMW 700.

Der 700er ist der vergessene BMW“, meint Florian. Nicht für ihn, denn eines Tages soll sein 700er Quartett komplett in der Garage stehen. Der Bergrenner, der Private, der Stuck-Replika und der Langheck-LS. 

Stuck Replika im Aufbau

Datenblatt:

Fahrzeug: BMW 700S Coupé (1964)
Karosserie: optimiert für Bergrennen, keine Stoßstangen, Talbot Spiegel (Nachbau), Motorhaube mit fixierten Bügel permanent aufgestellt
Motor:  2-Zylinder Boxer, 697 ccm, offene Trichter, ca. 60 PS
Auspuff: Engel Classic
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen (200mm)
Getriebe: 4-Gang, kurze Übersetzung
Räder:  BBS in 6x13 mit 165/60 Semislicks
Fahrwerk: Koni Dämpfer und Federn 
Innenraum:  2-Sitzer, Isa Racing Fahrersitz, 6-Punkt Schroth Gurt, OMP-Käfig, 36er Raid-Lenkrad
Danke an:  Ralf Engel, Engel Classic

Tuningcars-entry: 22-03-2014

text & foto michael kolb für BMW Scene 1/2014

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